Das INSTIFOR® -Konzept

 

Chronische Rückenschmerzen gehören zu den teuersten Krankheiten der modernen Industriestaaten.

In den USA stiegen die Kosten zwischen den Jahren 1997 und 2006 um sagenhafte 65% auf zuletzt 86 Milliarden Dollar pro Jahr.

Paradoxerweise fühlen sich die befragten Patientinnen und Patienten trotz dieser massiv angestiegenen Kosten 2006 schlechter als 1997! (1)

 

Ende 2008 veröffentlichte der ADAC (Allgemeine Deutsche Automobilclub) eine vielbeachtete Studie über die Qualität von Taxifahrern in Deutschland.

Bemängelt wurde vor allem, dass die getesteten Fahrer nicht immer den kürzesten Weg zum gewünschten Ziel genommen hatten.

 

Keine Frage, wenn ein Taxifahrer auf dem Weg von z.B. München nach Hamburg nicht über Würzburg, sondern über St. Petersburg fährt, ärgern wir uns. Und wir ärgern uns noch mehr, wenn er schließlich entnervt in Moskau aufgibt und uns bittet, auszusteigen und ein anderes Taxi zu suchen, weil er nicht mehr weiter weiß.

 

Aber dass ein Patient mit chronischen Rückenschmerzen in Stuttgart mit Massagen, in Frankfurt mit einer Operation und in Hamburg mit Psychotherapie behandelt wird, akzeptieren wir klaglos.

 

Warum?

 

Weil es kein einheitliches Krankheitskonzept gibt!

 

Jeder behandelnde Arzt entscheidet völlig frei darüber, ob er eine Bandscheibenvorwölbung für wesentlich erachtet und eine Operation empfiehlt, oder ob er irgendwelche Muskelverspannungen als Ursache der Beschwerden betrachtet und Massagen verordnet, oder ob er die Rückenschmerzen als Ausdruck seelischer Probleme bewertet und Psychotherapie veranlasst. Das ist medizinischer und wirtschaftlicher Unsinn!

 

Das Problem der oben angesprochenen Taxifahrer lässt sich heutzutage leicht mit Hilfe eines Navigationssystems lösen. Moderne Systeme erlauben sogar, ständig zu prüfen, wann welches Taxi wo wie schnell fährt.

 

Das Problem der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit chronischen Rückenschmerzen lässt sich mit einem einheitlichen Krankheitskonzept lösen, das genau angibt, wann welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen mit welchem Ziel eingesetzt werden sollen.

„Ausgangsort“ und „Zielort“ sind für alle Beteiligten (Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten und natürlich Kostenträger) klar definiert. Auch der Weg ist eindeutig. Jeder kann den Prozess jederzeit überwachen.

 

Ich möchte Ihnen ein solches „Navigationssystem“ für chronische Rückenschmerzen (und andere chronische orthopädische Leiden wie z.B. Arthrose etc.) vorstellen: Das INSTIFOR® -Konzept.

 

Unter "Literatur" (s. Navigationsleiste oben)  finden Sie ein Word Dokument, in dem die wesentlichen Eckpunkte des Konzepts zusammengefasst sind.

 

Bitte beachten Sie: Das Konzept ist bislang nur eine Idee!

 

Um mehr daraus zu machen, müsste das Konzept wissenschaftlich evaluiert werden. Die Kosten für eine wissenschaftlich saubere und aussagekräftige Multicenterstudie, die von einem unabhängigen Zentrum für klinische Studien geleitet und ausgewertet würde, lägen nach meinen Schätzungen mindestens bei 500 000 bis 1 000 000 Euro. Diese Summe kann ich als Privatperson nicht aufbringen.

 

Trotzdem hat das Konzept schon jetzt einen theoretischen Wert, besonders im Zusammenhang mit der medizinischen Begutachtung orthopädisch-traumatologischer Patienten.

 

Dazu zwei Beispiele:

 

Sozialrecht: BK 2108

 

„Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjähriges Heben oder Tragen schwerer Lasten oder durch langjährige Tätigkeiten in extremer Rumpfbeugehaltung, die zur Unterlassung aller Tätigkeiten gezwungen haben, die für die Entstehung, die Verschlimmerung oder das Wiederaufleben der Krankheit ursächlich waren oder sein können“

 

Was um Himmels Willen ist eine „bandscheibenbedingte Erkrankung“?

Viele Gutachter setzen eine „bandscheibenbedingte Erkrankung“ gleich mit einer bandscheibenbedingten (Struktur)Schädigung, wie z. B. Osteochondrose, Bandscheibenprotrusion oder Bandscheibenvorfall oder degenerativer Segmentinstabilität.

 

"Erkrankung" ist aber kein radiologisch-morphologischer Begriff, sondern ein klinisch-funktioneller.

 

„Krankheit im Sinne des Sozialversicherungsrechts ist eine Störung des körperlichen oder seelischen Wohlbefindens, somit eine Abweichung von der Norm „Gesundheit“. (5)

 

Es ist seit Jahrzehnten bekannt, dass gerade bei chronischen Rückenschmerzen Struktur (radiologisch erkennbarer Bandscheibenverschleiß) und Funktion (Beschwerden, Leistungsschwächen) nicht zuverlässig korrelieren.

 

NB.: Ein Bandscheibenvorfall ohne Beschwerden ist daher keine „Erkrankung“.

Selbst ein Bandscheibenvorfall mit Beschwerden ist nicht automatisch eine „Erkrankung“.

Nur wenn der Bandscheibenvorfall maßgeblich oder ausschließlich zu Beschwerden führt, ist er eine „Erkrankung“.

 

Woher soll man nun wissen, ob ein nachweisbarer Bandscheibenvorfall zu Beschwerden führt?

 

Nach dem INSTIFOR® -Konzept ist diese Frage einfach zu beantworten:

Zunächst entspricht der Bandscheibenvorfall einer „Primary Orthopedic Lesion – POL“ (s. Literatur "Instifor Konzept" oben).

Laut INSTIFOR® -Konzept ist eine POL aber nur ausnahmsweise für Beschwerden verantwortlich

(s. Literatur "Instifor Konzept" oben „sPOL“ bzw. „paPOL“).

Beschwerden werden üblicherweise durch sekundäre Funktionsstörungen (Secondary Orthopedic Lesions – SOL) ausgelöst.

Im Rahmen eines erweiterten Gutachenauftrages kann man nun die sekundären Funktionsstörungen aufsuchen und eine Probebehandlung durchführen (dauert mit Erfahrung wenige Minuten).

Wenn die Beschwerden daraufhin spürbar nachlassen oder ganz verschwinden, können die Beschwerden nach dem INSTIFOR® -Konzept nicht dem Strukturschaden der Bandscheibe, der sich natürlich im Rahmen einer funktionellen Probebehandlung nicht verändert, angelastet werden.

Es liegt also keine „bandscheibenbedingte Erkrankung“ vor.

Können die sekundären Funktionsstörungen beseitigt werden, ohne dass sich das Beschwerdebild ändert oder tritt trotz mehrfacher Behandlung nur eine kurzfristige Besserung über Minuten oder wenige Stunden auf, ist von einer „paPOL“ auszugehen – eine BK 2108 wäre dann zu befürworten (wenn es keine konkurrierenden Ursachen gibt).

 

Zivilrecht: Therapiekosten (PKV)


Ist eine Therapie medizinisch notwendig/sinnvoll?

Welche Therapie sollte gewählt werden?

Wie lange sollte behandelt werden?

Wie kann der Therapieerfolg überwacht werden?

 

Die Stufentherapie des INSTIFOR® -Konzept gibt Antworten auf alle diese Fragen.

 

 

Das Risiko des Konzepts ist gleich null, da das Konzept eigentlich nur das beinhaltet, was internationale Leitlinien ohnehin vorgeben.

 

Wieso braucht man dann dieses Konzept trotzdem?

 

Leitlinien werden systematisch ignoriert, solange den involvierten Ärzte nur Fakten und konkrete Handlungsempfehlungen vorgesetzt werden ohne ein Konzept, das ihnen die Fakten und Handlungsempfehlungen erklärt! (2)

Vor kurzem wurde das Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie über Versteifungsoperationen der Wirbelsäule in den USA zwischen 1998 und 2008 veröffentlicht. Danach stieg die jährliche Rate dieses Eingriffs um das 2,4 fache von 174 223 auf 413 171 (3), obwohl schon 1999 in einer Cochrane Übersichtsarbeit folgendes Ergebnis festgestellt wurde: „There is no scientific evidence on the effectiveness of any form of surgical decompression or fusion for degenerative lumbar spondylosis compared with natural history, placebo, or conservative management“ (4), d.h. in der Regel bringt die Versteifungsoperation nicht das, was sie soll. Übrigens: Die Kosten stiegen im genannten Zeitraum von 4,3 auf 33.9 Milliarden Dollar!

 

Auf der Autobahn werden Geschwindigkeitsbegrenzung mehr beachtet, wenn erklärt wird, warum die Geschwindigkeitsbegrenzung besteht (vorausgesetzt, die Begründung leuchtet ein!).

Wir Menschen wollen nicht nur verstehen, was wir tun sollen, sondern auch, warum wir es tun sollen.

 

 

Dr. med. R. Hepp

Facharzt für Orthopäde,

Facharzt für Physikalische u. Rehabilitative Medizin

Chirotherapie, Naturheilverfahren

 

Literatur:

 

1. Spine, Trends in Health Care Expenditures, Utilization, and Health Status Among US Adults With Spine Problems, 1997-2006

Brook I. Martin, MPH; Judith A. Turner, PhD; Sohail K. Mirza, MD, MPH; Michael J. Lee, MD; Bryan A. Comstock, MS; Richard A. Deyo, MD, MPH,     Published: 10/21/2009)

 

2. Fam Pract. 2009 Oct;26(5):359-64. Epub 2009 Jun 21

 

3. Spine. 2012;37(1):67-76

 

4. Spine (Phila Pa 1976). 1999 Sep 1;24(17):1820-32.

 

5. http://de.wikipedia.org/wiki/Krankheit - 2.10.2012